PRP-Therapie bei Haarausfall, was die Eigenblutbehandlung wirklich kann
PRP (Platelet-Rich Plasma, plättchenreiches Plasma) wird Patientinnen und Patienten in zahlreichen österreichischen Hautarztpraxen und Privatkliniken aktiv als Behandlung gegen androgenetische Alopezie angeboten. Das Verfahren ist nicht ohne Evidenz, die Datenlage ist allerdings deutlich weniger eindeutig als bei Minoxidil oder Finasterid.
Was ist PRP?
Es wird dem Patienten Blut abgenommen (typischerweise 10-30 ml), in einer Zentrifuge in seine Bestandteile getrennt, und der plättchenreiche Anteil (Plasma mit hoher Konzentration an Thrombozyten und deren Wachstumsfaktoren) extrahiert. Dieses konzentrierte Plasma wird in die Kopfhaut der von Haarausfall betroffenen Areale injiziert.
Hinter dem Konzept steht die Annahme, dass die in Thrombozyten enthaltenen Wachstumsfaktoren (PDGF, VEGF, EGF u.a.) die Haarfollikel-Stammzellen stimulieren und die Wachstumsphase der Haare verlängern.
Was zeigt die Studienlage?
Eine systematische Übersichtsarbeit von Gentile und Garcovich (2020), publiziert im International Journal of Molecular Sciences, fasst über 30 klinische Studien zu PRP bei androgenetischer Alopezie zusammen. Das Ergebnis: Die Mehrzahl der Studien zeigt eine moderate Steigerung der Haardichte und eine Verbesserung des Haardurchmessers, allerdings:
- Die Studien unterscheiden sich erheblich in Methodik (Vorbereitung des PRP, Injektionsfrequenz, Beobachtungsdauer)
- Viele Studien haben kleine Fallzahlen (oft unter 30 Teilnehmer)
- Die Beobachtungszeiträume sind meist kurz (3-6 Monate)
- Die Vergleichsgruppen sind oft nicht echte Placebos
Eine Übersichtsarbeit von Cervantes et al. (2018) kommt zu einem ähnlich vorsichtig-positiven Schluss: PRP zeigt vielversprechende Effekte, mehr und größere kontrollierte Studien sind erforderlich, bevor eine evidenzbasierte Routineempfehlung möglich ist.
Ablauf und Kosten
Eine PRP-Sitzung dauert etwa 30-60 Minuten inkl. Blutabnahme, Zentrifugation und Injektion. Lokalanästhesie ist optional, die Injektionen werden meist mit einer dünnen Nadel oder einem Microneedling-Aufsatz appliziert.
Empfohlen wird typischerweise eine Serie von 3-4 Sitzungen im Abstand von 4-6 Wochen, danach Erhaltungsbehandlung alle 6-12 Monate.
Kosten in Österreich:
- Pro Sitzung: ca. 250-600 Euro (variiert stark zwischen Praxen)
- Komplettpaket: 800-1.800 Euro für die initiale Serie
- Erhaltung: 250-600 Euro pro Sitzung
PRP wird von gesetzlichen Krankenkassen nicht erstattet, da es nicht zu den anerkannten Standardtherapien zählt.
Nebenwirkungen und Risiken
Da PRP aus dem eigenen Blut hergestellt wird, sind allergische Reaktionen praktisch ausgeschlossen. Risiken sind primär lokal:
- Schmerzen an der Injektionsstelle (Stunden bis Tage)
- Blutergüsse, leichte Schwellung
- Sehr selten: lokale Infektion (bei unsteriler Arbeit)
Für wen ist PRP geeignet?
- Personen mit beginnender bis moderater androgenetischer Alopezie
- Patientinnen und Patienten, die Minoxidil oder Finasterid nicht vertragen oder ablehnen
- Als Kombinationsbehandlung mit Minoxidil (mehrere Studien deuten auf Synergieeffekte hin)
Weniger geeignet bei: kompletter Glatze (keine aktiven Follikel mehr), Blutgerinnungsstörungen, Einnahme von Blutverdünnern.
Fazit
PRP ist eine medizinisch plausible, aber wissenschaftlich noch nicht eindeutig validierte Methode. Wer die Kosten von 800-1.800 Euro für eine Serie tragen kann und bei wem Minoxidil/Finasterid nicht infrage kommen oder zusätzlich angewendet werden, kann PRP mit realistischen Erwartungen ausprobieren.
Was Sie vor einer PRP-Behandlung klären sollten:
- Wie wird das PRP konkret aufbereitet (Konzentration, Kit)?
- Wie viele Sitzungen sind notwendig?
- Welche Erfolgsdokumentation kann die Praxis vorweisen?
- Was kostet die Erhaltungstherapie nach der initialen Serie?
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Quellen & Verweise
Zuletzt aktualisiert: 21.05.2026