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Wahlarztversicherung in Österreich, lohnt sich der Abschluss?

Von haarwahl Redaktion · veröffentlicht 21.05.2026 · zuletzt aktualisiert 21.05.2026 · enthält Werbepartner-Links

In Österreich gibt es zwei Arzttypen: Kassenärzte, die mit der gesetzlichen Krankenversicherung abrechnen, und Wahlärzte, die keinen Kassenvertrag haben und ihre Honorare frei festlegen. Die gesetzliche Krankenkasse erstattet bei Wahlarztbesuchen nur etwa 80 Prozent des Kassentarifs, also einen Bruchteil der tatsächlichen Wahlarztrechnung. Eine private Wahlarztversicherung schließt diese Lücke.

Warum überhaupt Wahlarzt?

Wartezeiten: Bei Fachärztinnen und Fachärzten (Dermatologie, Orthopädie, Gynäkologie, Radiologie u.a.) liegen die Wartezeiten auf Kassenplätze in Österreich oft bei mehreren Monaten. Wahlärzte vergeben Termine meist binnen Tagen.

Mehr Behandlungszeit: Wahlärzte sind durch das ärztliche Honorar nicht an die strenge Zeitvorgabe pro Patient gebunden, die Kassenpraxen typischerweise einhalten müssen.

Methoden- und Gerätewahl: Wahlärzte können oft modernere Diagnose- und Therapieverfahren einsetzen, die im Kassensystem nicht oder nur eingeschränkt verfügbar sind.

Was kostet ein Wahlarzt?

Pauschal nicht zu beantworten, weil Wahlarzthonorare frei sind. Richtwerte (Quelle: gesundheit.gv.at):

FachgruppeTypisches Erstgespräch
Allgemeinmediziner80-130 €
Dermatologe120-180 €
Orthopäde150-220 €
Kardiologe180-250 €
Radiologe (MRT)200-400 €
Plastische Chirurgie (Konsultation)120-200 €

Die Kassenrückerstattung liegt bei 80% des Kassentarifs. Bei einer Wahlarztrechnung von 180 Euro Dermatologen-Erstgespräch erstattet die ÖGK in der Regel etwa 40-50 Euro, der Selbstbehalt beträgt also 130-140 Euro.

Wie funktioniert die Wahlarztversicherung?

Die Wahlarztversicherung ist eine private Zusatzversicherung, die die Differenz zwischen Wahlarzthonorar und Kassenrückerstattung ganz oder teilweise erstattet, abhängig vom gewählten Tarif.

Typische Tarife:

  • Basistarif: Erstattet bis 80% der Honorar-Differenz, jährlicher Höchstbetrag ca. 1.000-1.500 €. Prämie: 50-80 €/Monat.
  • Komforttarif: Erstattung bis 100%, höhere Jahresobergrenzen (2.500-4.000 €), oft inkl. Heilbehelfe und alternative Heilmethoden. Prämie: 80-130 €/Monat.
  • Premiumtarif: Praktisch volle Kostenübernahme inkl. Privatklinik-Kosten ohne Höchstgrenzen. Prämie: 130-250 €/Monat.

Für wen lohnt sich die Wahlarztversicherung?

Eher ja, wenn:

  • Sie regelmäßig Fachärzte aufsuchen, deren Kassenplätze schwer zu bekommen sind
  • Sie chronische Erkrankungen haben, bei denen Wartezeit ein Risikofaktor ist
  • Sie selbstständig sind oder einen unregelmäßigen Tagesablauf haben, der lange Wartezeiten unbezahlbar macht
  • Sie unter 40 sind (Abschluss ist günstig, Bindung an gleiche Prämie lebenslang oder bis zur jeweils nächsten Tarifgruppe)

Eher nein, wenn:

  • Sie selten Ärzte besuchen und überwiegend gesund sind
  • Sie in einer Region wohnen, in der Kassenplätze gut verfügbar sind
  • Sie bereits 60+ sind (Erstabschluss wird sehr teuer, Wartezeiten + Risikoausschlüsse)

Worauf achten beim Vergleich?

  1. Wartezeit bis Versicherungsbeginn: Typisch 3-9 Monate ab Abschluss. Bei manchen Tarifen 24 Monate bis zu vollem Anspruch auf bestimmte Leistungen.
  2. Risikoausschlüsse: Vorerkrankungen, geplante Behandlungen werden ggf. ausgeschlossen oder mit Risikozuschlag verteuert.
  3. Jahresobergrenzen: Manche Tarife haben niedrige Jahres-Caps, die bei aufwändiger Behandlung schnell ausgeschöpft sind.
  4. Lebenslange Beitragsentwicklung: Prämien steigen mit dem Alter, jedoch bei Vertragsabschluss garantiert? Oder anpassbar? Wichtige Frage.
  5. Beitragsfreistellung im Pensionsalter: Manche Versicherer bieten dies, andere nicht.

Bekannte Anbieter in Österreich

  • UNIQA, Marktführer mit breiter Tarifpalette
  • Merkur, Krankenversicherungs-Spezialist
  • Wiener Städtische (Vienna Insurance Group)
  • Generali, internationaler Anbieter mit Österreich-Tochter
  • GRAWE, regional stark in der Steiermark
  • Allianz, Österreich-Tochter eines globalen Versicherers

Vergleichsportale wie durchblicker.at, easyjack.at oder krankenversichern.at ermöglichen einen ersten Marktüberblick.

Spezialfall: Privatklinik-Aufenthalt

Eine Wahlarztversicherung deckt typischerweise nur ambulante Wahlarztbesuche. Stationäre Privatklinik-Aufenthalte (z.B. nach einem Eingriff) erfordern eine zusätzliche Sonderklasse-Versicherung. Diese ist teurer (oft 100-200 €/Monat zusätzlich) und sollte separat geprüft werden, wenn Sie auch im Krankenhaus-Fall Privatleistungen nutzen wollen.

Fazit

Die Wahlarztversicherung ist kein Pauschalvorteil, sondern ein individuelles Kosten-Nutzen-Kalkül. Bei jüngeren, gesundheitsbewussten Personen mit häufigen Facharztbesuchen ist sie meist sinnvoll. Bei seltenen Arztbesuchen ist die monatliche Prämie oft höher als die zu erwartenden Erstattungen.

Was vor dem Abschluss zu klären ist:

  • Wie oft besuchen Sie aktuell Wahlärzte und was bezahlen Sie netto pro Jahr?
  • Welche Wartezeiten sind in Ihrer Region für die für Sie relevanten Fachgruppen aktuell?
  • Welcher Tarif passt zu Ihrem Bedarf und Budget?

Ein unverbindlicher Vergleich auf einem etablierten Vergleichsportal kostet nichts und gibt schnell ein Marktüberblick. Achten Sie dabei auf Anbieter, die mit klaren Tarifdaten arbeiten, nicht mit telefonischen “Beratungsgesprächen” als einzigem Informationsweg.

Quellen & Verweise

  1. gesundheit.gv.at, Wahlarzt versus Kassenarzt
  2. Österreichische Gesundheitskasse, Wahlärztinnen und Wahlärzte
  3. Arbeiterkammer, Private Krankenzusatzversicherung im Überblick

Zuletzt aktualisiert: 21.05.2026